Brauchtum und Tradition

Antrag
Üblicherweise macht der Mann den Antrag. Emanzipiert wie unsere Gesellschaft inzwischen aber ist, kommt es immer öfter vor, dass Frauen ihrem Zukünftigen diese Aufgabe abnehmen.

Nach einer Tradition, die einige hundert Jahre zurückliegt, haben Frauen alle vier Jahre am 29. Februar die Möglichkeit, die Initiative zum Antrag zu ergreifen. Dies beruht darauf, dass einst dieses Datum als "rechtlich ungültig" angesehen wurde, und deshalb alle Regeln auf den Kopf gestellt werden durften.

Nach dieser Tradition gibt es die nächste Gelegenheit für einen "Frauenantrag" am 29. Februar 2008!


Polterabend - Junggesellenabschied
Ursprünglich - wie am Wort Junggesellenabschied zu erkennen - wurde diese Tradition vornehmlich vom Bräutigam und seinen Freunden hoch gehalten.

Zu einem Termin einige Wochen vor der Hochzeit wird ausgiebig der Abschied vom Junggesellenleben gefeiert. Mittlerweile ist es durchaus üblich, dass es auch die Braut mit ihren Freundinnen sozusagen "zum letzten Mal" ordentlich krachen lässt.

Diverse "Gemeinheiten", die den Brautleuten bei diesem Fest angetan werden, sind örtlich und regional stark unterschiedlich.


Verlobung
Mit der offiziellen Bekanntgabe der geplanten Hochzeit - die üblicherweise innerhalb eines Jahres erfolgt - gilt ein Paar als verlobt. Die Verlobung wird oft im Kreise der Familien beider Brautleute gefeiert.


Die Hochzeitsliste/Der Hochzeitstisch
Um zu vermeiden, dass das Brautpaar Dinge geschenkt bekommt, die es schon hat bzw. um "Doppelgeschenke" durch mehrere Hochzeitsgäste zu vermeiden, empfiehlt es sich, eine Wunschliste zu verfassen und diese an die Hochzeitsgäste weiterzugeben.

Auch ein Hochzeitstisch in einem Warenhaus nach Wahl der Brautleute hat Tradition.


Braut aufwecken
Nach alter Tradition verbringt die Braut ihre letzte Nacht als unverheiratete Frau in ihrem Elternhaus. Dort wird sie am Hochzeitsmorgen sehr früh (ab 05.00 Uhr!) durch Böllerschüsse oder Blasmusik geweckt. Der "Lärm" erfüllt einen doppelten Zweck: einerseits sollen böse Geister vertrieben werden, und andererseits wird der neue Lebensabschnitt begrüßt.


Something old - something new - something borrowed - something blue
Dieser Brauch geht bis in die Viktorianische Zeit zurück und kommt aus dem Englischen. Das Original lautet: "Something old, something new, something borrowed, something blue and a silver sixpence in your shoe."

Etwas Altes - wie zum Beispiel ein altes Familienschmuckstück, um die Familientradition weiterzuführen. Auch das Brautkleid der Mutter oder der Großmutter der Braut kommt hier manchmal erneut zum Einsatz.

Etwas Neues - wie zum Beispiel das Brautkleid. Als Zeichen des Aufbruchs in ein neues Leben.

Etwas Geliehenes – ein Schmuckstück einer glücklich verheirateten Freundin; ein besonderes Taschentuch oder Ähnliches soll Glück bringen im Eheleben.

Etwas Blaues - dies stand ursprünglich für Reinheit und Treue. Dieser Brauch hat sich wie folgt gewandelt: vom Tragen eines blauen Kleidungsstückes über einen blauen unteren Bund des Brautkleides bis heute hin zu einem blauen Strumpfband. Auch diese Tradition soll einerseits Glück bringen, und andererseits die Möglichkeit zur baldigen Geburt eines Sohnes unterstreichen.

Eine S
ilbermünze wurde früher im linken Schuh der Braut als Symbol des Wohlstandes platziert. Dies soll der Braut jedoch nicht nur finanziellen Wohlstand, sondern auch ein Eheleben voll Freude und Glückseeligkeit bescheren.


Die Hochzeitskerze
Nach alter Tradition ist die Hochzeitskerze entweder ein Geschenk der Taufpatin der Braut oder der Brautmutter. Ausgesucht wird die Kerze üblicherweise gemeinsam, da der Fantasie der Gestaltung kaum Grenzen gesetzt sind.
Im Zuge der (katholischen) kirchlichen Trauung wird mit den Taufkerzen der Brautleute deren Hochzeitskerze entzündet.

In weiterer Folge - so wird es auch in Eheseminaren geschildert - sollte die Hochzeitskerze nach der Trauung nicht auf Nimmerwiedersehen verschwinden, sondern zu besonderen Gelegenheiten immer wieder entzündet werden. Hier einige Beispiele, die sich von jedem Ehepaar beliebig erweitern lassen:
• Spätestens am ersten Hochzeitstag, wenn das junge Paar auf sein erstes gemeinsames Jahr zurückblickt, soll die Kerze entzündet werden.
• Hat es Streit gegeben? Zündet zum Zeichen des Versöhnungswunsches die Hochzeitskerze an!
• Muss ein bestimmtes, nicht einfaches Thema besprochen werden? Zündet zur Unterstützung die Hochzeitskerze an!


Reis werfen
Das Werfen von Reis nach der Hochzeit soll ein Zeichen der Fruchtbarkeit sein.
Es empfiehlt sich, das Vorhaben mit dem zuständigen Pfarrer oder Standesbeamten abzusprechen, da manchmal aus unterschiedlichsten Gründen Vorbehalte bestehen (Verunreinigung; Werfen mit Lebensmitteln; als Alternative: Konfetti verwenden!).


Blumen streuen
Auch das Streuen von Blüten durch Blumenkinder, die vor dem Brautpaar aus der Kirche/dem Standesamt ziehen, soll dem Paar Glück und Kindersegen bringen. Hier gilt ebenso:
Vorher absprechen! Oftmals ist es nicht gewünscht, dass Rosenblätter gestreut werden, da diese, wenn Sie auf Steinboden zertreten werden, Flecken hinterlassen können, die sich nur mehr sehr schwer oder gar nicht entfernen lassen!


Ansteck-Sträußchen
Jedem Hochzeitsgast wird ein kleines Sträußchen angesteckt.
Wer verheiratet ist, trägt es links - ledige Personen tragen es rechts.
Alternativ kann das Sträußchen auch am Hut angesteckt werden.


Schwellbogen
In manchen Gegenden ist es üblich, dass ein bis zwei Tage vor der Hochzeit der Eingang des Brauthauses mit einem aus Nadelzweigen, Blumen und Bändern gefertigten Bogen dekoriert wird. Angefertigt - oder zumindest aufgestellt - wird der Bogen von Freunden der Braut. Diese werden für ihre Mühe mit einer Jause belohnt.


Kränzen
Einen ähnlichen Zweck wie der Schwellbogen erfüllt das Kränzen. Hierfür treffen sich Freunde und Verwandte des Brautpaares, um den Eingang des Hauses oder der Wohnung des jungen Paares mit Blumen zu schmücken. Alternativ kann auch das Auto mit aufgeblasenen Luftballons (eventuell sogar Gasluftballons) dekoriert werden (innen und außen!).


Brautschleier
Der ursprüngliche Sinn - das Symbolisieren des Endes der Jungfräulichkeit bzw. den Schutz vor bösen Geistern - ist heute abgelöst. Der Schleier dient heutzutage dazu, die Braut zu schmücken.


Brautentführung/Brautstehlen
Meist sind es die guten Freunde, die die Braut entführen. Dabei ziehen die Entführer mit der Braut von Lokal zu Lokal. Der Bräutigam soll jedes Mal die Rechnung zahlen. Oftmals weiß der Bräutigam jedoch schon vorab, wo seine Braut bei einer Entführung zu finden ist, damit die Angelegenheit nicht zu lange dauert (maximal eine Stunde!). Man darf nicht vergessen, dass die Hochzeitsgesellschaft für den Zeitraum der Entführung zerrissen wird, und dass für die Zurückgebliebenen der Spaß meist nicht so groß ist.

Mancherorts ist es auch Voraussetzung, dass es den potentiellen Entführern gelingt, den Brautstrauß zu stehlen, bevor sie sich mit der Braut aus dem Staub machen dürfen.


Brautjungfern
Wie viele andere Bräuche, diente auch die Anwesenheit von Brautjungfern früher dazu, böse Geister von der Braut und ihrem Zukünftigen abzulenken.

Deshalb ist es - heute vor allem noch in den USA - üblich, dass die Brautjungfern Kleider tragen, die jenem der Braut sehr ähnlich sehen. Oftmals unterscheiden sich die Kleider nur in der Farbe. In unseren Breiten sollen die Brautjungfern die Braut in erster Linie unterstützen - sowohl praktisch als auch emotional! Dies gilt bei den Hochzeitsvorbereitungen und auch während des Festes.


ZeremonienmeisterIn
Diese(r) sorgt für einen reibungslosen Ablauf des Hochzeitsfestes. Die Brautleute erwählen einen guten Freund oder eine gute Freundin einige Zeit vor der Hochzeit und bitten diese(n), sich als Zeremonienmeister zur Verfügung zu stellen. Speziell zu Beginn des Festes kann der ZM einen eigens angefertigten Zeremonienstab in der Hand halten, um für jedermann sofort erkennbar zu sein. Fragen, die den organisatorischen Ablauf betreffen, können für alle Gäste vom Zeremonienmeister beantwortet werden. Natürlich muss der/die Zeremonienmeister(in) gegebenenfalls auch als Trouble-Shooter dienen!


Die Agape
Im Anschluss an die kirchliche Trauung wird den Gästen Brot und Wein gereicht.


Brautstraußwerfen
Die Braut wirft ihren Brautstrauß in die Menge der unter den Gästen anwesenden unverheirateten Damen. Diejenige, die den Strauß fängt, wird nach alter Überlieferung die nächste sein, die ihre Hochzeit feiert.

Ein guter Zeitpunkt für das Brautstraußwerfen ist entweder direkt nach der Trauung vor der Kirche oder dem Standesamt; oder nach Eintreffen der Gesellschaft beim Festsaal/Restaurant.

Will sich die Braut ihren Strauß als Erinnerung in getrockneter Form aufheben, empfiehlt es sich, für das Brautstraußwerfen einen Zweit-Strauß anfertigen zu lassen!


Eröffnungswalzer
Nach dem festlichen Hochzeitsessen und den Ansprachen eröffnet das Brautpaar den geselligen Abend mit einem Walzer. Nach ein paar Takten wird der Bräutigam vom Vater der Brau abgelöst; der Bräutigam selbst tanzt dann mit seiner Mutter. Alle anderen tanzfreudigen Gäste kommen dazu. In weiterer Folge tanzen die Braut mit ihrem Schwiegervater und der Bräutigam mit seiner Schwiegermutter.


Die Hochzeitstorte
Wird in der Regel wunderschön gestaltet und üppig gebacken. Mit viel Schokolade, Zuckerguss und Marzipan. Sie dient ebenfalls als Fruchtbarkeitssymbol und wird vom Brautpaar gemeinsam angeschnitten.


Über die Schwelle tragen
Nach alter Tradition trägt der Bräutigam die Braut nach der Vermählung über die Schwelle der gemeinsamen Wohnung.


Morgengabe
Die Brautleute beschenken sich am Morgen nach der Hochzeitsnacht gegenseitig mit etwas Besonderem. Diese Geste ist Symbol für ein erfülltes gemeinsames Leben.


Dankschreiben
Als Danke für die Geschenke der Hochzeitsgäste versendet das Brautpaar, einige Wochen nach der Hochzeit, Dankschreiben. Üblicherweise mit einem Foto des Brautpaares als Erinnerung an die gemeinsame Feier.


Dosen am Auto
Das Scheppern der Dosen soll einerseits lautstark auf das frisch vermählte Paar aufmerksam machen, und andererseits böse Geister vertreiben.

Gleiches gilt für das vielerorts übliche Hup-Konzert der Hochzeitsgesellschaft am Weg von der Kirche/dem Standesamt zum Festsaal.


Flitterwochen/Hochzeitsreise
Oft schon direkt nach der Trauung verabschiedet sich das Paar von der Hochzeitsgesellschaft und fährt auf Hochzeitsreise, um zu zweit das besondere Ereignis zu feiern und sich ganz "in Ruhe" auf die gemeinsame Zukunft vorzubereiten.